FODMAPs erhalten ähnlich dem Gluten neuerdings viel Aufmerksamkeit in den Medien. Sie werden regelmäßig als Trigger für Blähungen, Durchfall und weitere Verdauungsbeschwerden bei Menschen mit sensitivem Magen-Darm-Trakt angeführt. Was ist das Problem mit FODMAP und gibt es gesundheitliche Vorteile durch das Vermeiden von FODMAP-haltigen Lebensmitteln?

Was sind FODMAPs?

Das FODMAP Konzept (entwickelt von der Monash University, Melbourne) basiert auf der Erkenntnis der chemischen Zusammensetzung von Lebensmitteln, normaler Verdauungsvorgänge und veränderter Reizempfindung bei Reizdarm-Betroffenen.

Der Begriff FODMAP steht für Fermentable Oligosaccharides, Disaccharides, Monosaccharides and Polyols, also verschiedene Kohlenhydratarten. Diese kommen natürlich vor, u.a. in Obst, außerdem in bestimmten Getreide- und Gemüsesorten, weiterhin sind sie in Milch(-produkten) enthalten. Gemeinsam haben diese, dass sie nur zum Teil oder gar nicht im Darm aufgenommen werden können.

FODMAPs kommen in vielen Lebensmitteln vor:
Fruktose und Polyole in Obst, Gemüse, Süßungsmittel
Laktose in Milchprodukte
Fruktane in Weizen, Zwiebeln
Galaktane in Hülsenfrüchte, Kohlgemüse

Die typischen Symptome des Reizdarmsyndroms werden von den folgenden Eigenschaften der FODMAPs hervorgerufen:

  1. Sie sind osmotisch aktive, kurzkettige Zucker: Das heißt, sie binden Wasser im Darm, was bei sensitiven Menschen zu Blähungen und Durchfall führen kann.
  2. Sie verursachen eine bakterielle Fermentation: Kohlenhydrate müssen durch Enzyme gespalten werden, um aufgenommen werden zu können. Da wir diese Enzyme nicht besitzen, reisen FODMAP-Kohlenhydrate als Ballaststoffe durch den Dünndarm in den Dickdarm, wo sie durch die dort ansässigen Darmbakterien – das sog. Mikrobiom – fermentiert werden. Dies kann Blähungen, Schmerzen und veränderte Stuhlgewohnheiten auslösen.

Zu einem gewissen Grad betrifft dieser Prozess alle Menschen beim Verzehr von FODMAPs. Manche reagieren sensitiver darauf als andere. Als Grund dafür wird eine Hypersensitivität des Darms vermutet, die sehr häufig bei Menschen mit Reizdarmsyndrom auftritt.

Für wen ist eine Low-FODMAP-Ernährung geeignet?

Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass eine Low-FODMAP-Ernährung Symptome wie Blähungen, Blähbauch, Durchfall und Bauchschmerzen wirkungsvoll lindert.

Hierbei handelt es sich um eine symptomatische Behandlung der Beschwerden. Eine Low-FODMAP-Ernährung zur Vorbeugung kann aufgrund der eingeschränkten Lebensmittelauswahl nicht empfohlen werden.

5 Punkte zu einer Low-FODMAP-Ernährung:

  1. Lebensmittel mit Kohlenhydraten der FODMAP-Gruppe werden bei dieser Ernährungsart reduziert, jedoch nicht komplett ausgeschlossen.
  2. Low-FODMAP ist nicht gleich glutenfrei: Eine Low-FODMAP-Ernährung enthält typischerweise weniger Gluten, da viele glutenhaltige Getreide auch FODMAPs beinhalten.
  3. Low-FODMAP ist nicht frei von Milchprodukten: Der Milchzucker Laktose ist ein FODMAP, das in vielen Milchprodukten vorkommt. Allerdings gibt es auch Low-FODMAP-Milchprodukte, in denen der Milchzucker durch Fermentation auf eine geringe Menge reduziert ist.
  4. Die Low-FODMAP-Diät ist ungünstig zur dauerhaften Ernährung: Man sollte sich bewusst sein, dass es sich um eine restriktive Ernährungsweise handelt, die nur für einen begrenzten Zeitraum angewendet werden sollte, um eine Sauerstoffminderversorgung zu vermeiden.
  5. Eine Low-FODMAP-Diät kann oftmals erleichtert werden, indem man gezielt den Verzehr von Lebensmitteln mit einem hohen FODMAP-Anteil im Sinne einer FODMAP-light-Ernährung verringert. Der Reifegrad von Obst oder die Verarbeitungsweise von Brot kann schon einen erheblichen Unterschied im FODMAP-Gehalt und der Verträglichkeit machen.

Eingeschränkte Ballaststoffzufuhr bei einer Low-FODMAP-Ernährung

Die meisten Lebensmittel, die reich an Ballaststoffen sind, sind auch reich an FODMAPs. (Erinnerung: FODMAPs sind zumeist unverdauliche Kohlenhydrate, also Ballaststoffe). Deshalb ist die Ballaststoffaufnahme unter einer Low-FODMAP-Ernährung oft reduziert. Gleichzeitig sind diese Ballaststoffe wichtig für die Gesundheit des Mikrobioms – sie fördern das Wachstum der „guten Bakterien“. Deshalb sollten betroffene langfristig einen Weg finden, Nahrungsmittel wie Vollkorngetreide, Gemüse und Hülsenfrüchte in die Ernährung zu integrieren.

Take home message:

  • FODMAPs sind gesund und gut verträglich für die meisten Menschen.
  • Eine Low-FODMAP-Ernährung sollte immer durch einen Ernährungstherapeuten angeleitet werden.
  • Ziel einer FODMAP-Restriktion ist das Identifizieren von Trigger-Lebensmitteln und verträglichen Mengen – sie ist keine Option zur Langzeiternährung.
  • Eine derart restriktive Ernährung kann längerfristig zu einer suboptimalen Versorgung mit Nährstoffen führen, z.B. mit Ballaststoffen und Kalzium, sowie einen negativen Einfluss auf das Darmmikrobiom nehmen.

Wir helfen dir dabei.

Ob eine Low-FODMAP-Ernährung bei deinen Beschwerden helfen kann, sollte individuell im Rahmen einer ernährungsmedizinischen Beratung geklärt werden. Wenn du mehr erfahren möchtest, schreib uns einfach. Unser Ärzteteam ist auf diesen Bereich spezialisiert und freut sich, dich zu begleiten.

Quellen:  

Monash University FODMAP Training Manual, 2019

Frieling T et al. Tolerability of FODMAP- reduced diet in irritable bowel syndrome – efficacy, adherence, and body weight course. Z gastroenterol 2019; 57: 740-744

https://www.carstens-stiftung.de/artikel/reizdarmsymptome-bessern-sich-auch-langfristig-durch-low-fodmap-diaet.html