Kognitive Dissonanz – Warum wir unser Verhalten sabotieren und was wir dagegen tun können

Kognitive Dissonanz – 
Warum wir unser Verhalten sabotieren und was wir dagegen tun können

Hand aufs Herz, wann hast du dir das letzte Mal vorgenommen...

  • mehr Rad zu fahren, weil dir die Umwelt am Herzen liegt,
  • weniger Süßigkeiten zu essen, weil dir deine Gesundheit wichtig ist,
  • sparsamer zu leben, um besser abgesichert zu sein,

...und deine guten Vorsätze schon nach kurzer Zeit wieder über Bord geworfen?

Auf den ersten Blick scheint es, als würde uns das Leben permanent Steine in den Weg legen, die uns das Erreichen unserer Ziele erschweren. Doch meistens sind es nicht äußere Hindernisse, die uns von unserem persönlichen Erfolg abhalten, sondern vielmehr wir selbst.

Unsere inneren Ansprüche und täglichen Verhaltensweisen widersprechen einander oft maßgeblich. Wenn wir eine Verhaltensweise an den Tag legen, die mit unseren eigentlichen Absichten im Widerspruch steht, befinden wir uns schnell in einer Zwickmühle.

Einen ähnlichen Spannungszustand empfinden wir, wenn wir mit gut gemeinten Gesundheitsratschlägen von Freunden oder Warnhinweisen auf Zigarettenverpackungen konfrontiert werden, die nicht in Einklang mit unserem aktuellen Verhalten stehen.

Dieses Phänomen eines inneren Konflikts wird in der Sozialpsychologie als „kognitive Dissonanz“ bezeichnet.

Wie macht sich kognitive Dissonanz bemerkbar?

Das Scheitern an den eigenen Vorsätzen schmerzt. Da wir grundsätzlich bestrebt sind, ein beständiges Selbstbild von uns aufrechtzuerhalten, erleben wir Widersprüchlichkeiten zwischen unserem Verhalten und diesem Selbstbild als bedrohlich. Um den unangenehmen Zustand möglichst schnell aufzulösen, arbeitet unser Gehirn auf Hochtouren und versucht, alle vorhandenen Informationen in der Umgebung umzuinterpretieren, sodass Verhalten und Selbstbild wieder in Einklang miteinander stehen.

Leider führen die Bewertungen nicht immer zur objektiv besten Lösung, sondern in vielen Fällen eher zur Selbsttäuschung oder zu Beurteilungsfehlern. Wenn unser Verhalten im Gegensatz zu unserem eigenen Selbstbild steht, reagieren wir oft defensiv.

Anstatt unser Verhalten anzupassen, sucht unser Unterbewusstsein zunächst nach  einfacheren Abwehrstrategien, z.B. durch

  • die Ignoranz oder Verharmlosung eines Problems,
  • die Abwertung von Alternativen,
  • die Beschuldigung Dritter.

Das folgende Beispiel veranschaulicht dir, wie schnell dich dein Unterbewusstsein austrickst und von der Umsetzung gesundheitsförderlicher Vorsätze abhält.

Beispiel „Rauchentwöhnung“:
Nehmen wir an, du leidest an Asthma und dein gesundheitlicher Zustand hat sich in den letzten Monaten deutlich verschlechtert. Du bist beruflich stark gefordert und greifst in letzter Zeit immer öfter zur Zigarette.

Im letzten Arztgespräch wurde dir aufgezeigt, wie stark sich das Rauchen auf deinen gesundheitlichen Zustand auswirkt und wie wichtig ein gesünderer Lebensstil für dich wäre.

Da du dir natürlich wünschst, dass es dir besser geht, nimmst du dir vor, weniger zu rauchen. Schnell stellst du jedoch fest, dass das gar nicht mal so einfach ist und mehr Disziplin erfordert, als du aufbringen kannst. Die halbe Packung Zigaretten am Tag kannst du dir einfach nicht verkneifen.

Anstatt nach Unterstützungsmöglichkeiten zu suchen, die dir bei der Rauchentwöhnung helfen, beginnst du dir einzureden, dass das Rauchen doch gar nicht mal so schlimm sei. Schließlich hat selbst Helmut Schmidt als Kettenraucher über 90 Jahre gelebt. Außerdem genießt du gern und hast Spaß am Leben. Den aktuellen Gesundheitswahn muss ja nicht unbedingt jeder mitmachen. Am Ende des Tages kannst du auch nichts dafür, wenn dich die Kollegen in der Pause zum Rauchen motivieren.

Sobald unser Selbstbild bedroht wird, verfallen wir in defensive Muster, um uns zu schützen. Das Gefühl des Scheiterns empfindet vermutlich jeder von uns als unangenehm und redet sich daher lieber ein, dass die eigenen Vorsätze ohnehin nicht allzu ernst gemeint waren.

Wie kannst du Selbstsabotage vermeiden?

In einem ersten Schritt ist es wichtig, die sabotierenden Gedankenmuster zu erkennen.

Tipp 1: Wenn du dir das nächste Mal etwas vornimmst, das dir wichtig ist, dich jedoch anschließend unpassend verhältst, dann versuche, „dich auf frischer Tat zu ertappen“. Mach dir keine Vorwürfe, sondern versuche vielmehr zu verstehen, wie dich deine eigenen Gedankengänge ausgetrickst haben könnten. Schreibe dir deine Gedanken auf und versuche über einen längeren Zeitraum hinweg herauszufinden, wer oder was dich tatsächlich an der Umsetzung deines Vorhabens hindert.

In einem weiteren Schritt ist es hilfreich, dein Selbstwertgefühl zu stärken, damit du die empfundene Widersprüchlichkeit deines Verhaltens nicht gleich als Bedrohung deiner gesamten Person bewertest.

Tipp 2: Nimm dir einen Zettel und Stift zur Hand. Schreibe auf, welche Bereiche im Leben dir wichtig sind, und stelle all diejenigen Aktivitäten heraus, in denen du besonders erfolgreich bist. Liste all deine Stärken und wertschätze sie. Rufe dir deine Stärken ins Gedächtnis, wenn dir eine neue Aufgabe zu Beginn schwer fallen sollte, und versuche dich nicht von kleineren Rückschlägen von deinem Weg abbringen zu lassen.

Insgesamt ist es wichtig, dass du dich nicht überforderst.

Tipp 3: Wenn du merkst, dass eine gewünschte Verhaltensweise dich aktuell zu sehr herausfordert, dann fange mit kleinen Schritten an und hole dir Unterstützung. In Gemeinschaft übt es sich meist leichter.

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Aller Anfang ist schwer. Lass dich auf deinem Weg durch ein professionelles Team begleiten und lerne Schritt für Schritt, wie du deinen Lebensstil langfristig umstellen kannst.

Quellen:

Festinger, L., Irle, M., & Möntmann, V. (1978). Theorie der kognitiven Dissonanz (p. 16). Bern: Huber.

C. M. Steele (1988): The psychology of self-affirmation: Sustaining the integrity of the self. In: L. Berkowitz (Hg.): Advances in experimental social psychology, Vol. 21, S. 261–302

Harris, P. R., Mayle, K., Mabbott, L., & Napper, L. (2007). Self-affirmation reduces smokers' defensiveness to graphic on-pack cigarette warning labels. Health Psychology, 26(4), 437.