Warum sollte man Yoga machen? Ja, Yoga ist gerade ein Hype, und das motiviert einige zum Mitmachen, um schicke Fotos bei Instagram zu posten. Andere hingegen schreckt genau das ab. Sie wollen nicht unter Beweis stellen müssen, dass sie mit einem Lächeln im Gesicht ihren Fuß hinter den Kopf stecken oder auf den Ellenbogen balancieren können – aber um all das geht es beim Yoga sowieso nicht. Tatsächlich steckt viel mehr dahinter, als die meisten denken. Es geht nicht darum zu zeigen, was du kannst. Yoga ist Quality-Time mit dir selbst und mit deinem Körper, egal welche der vielen Positionen du gern machst. Yoga trainiert Körper und Geist – und hat wissenschaftlich erwiesenermaßen das Potenzial dazu beizutragen, beide gesund zu halten und körperliche Beschwerden und seelische Leiden zu lindern.

Was ist eigentlich Yoga?

Ursprünglich entstand Yoga in Indien als Teil einer philosophischen Lehre. Der dahinterstehende Gedanke ist, durch die bewusste Anspannung und Wahrnehmung des Körpers und des Atems den Geist zur vollständigen Sammlung und Konzentration zu bringen und so als spezielle Art der Meditation einen Zustand des „Einswerdens“ zu erreichen. Hierbei setzen die unterschiedlichen Yoga-Richtungen verschiedene Schwerpunkte von eher meditativ bis eher körperbezogen.

Direkte Auswirkungen auf Körper und Geist

Im Yoga verbinden sich körperliches Training und ein geistiger Zustand der Meditation, der durch die Konzentration auf Körperhaltung und Atem erlangt wird. Dieses Zusammenspiel stößt diverse physiologische, nervale und biochemische Mechanismen an, die unser Wohlbefinden positiv steuern. Besonders bedeutend ist hier die aktive Entspannung und der daraus folgende Abbau von Stress, der durch regelmäßige Yoga-Praxis erreicht werden kann. Das wurde bereits in mehreren wissenschaftlichen Studien nachgewiesen (subjektiv und messbar, z. B. in der nachgewiesenen Konzentration des Stresshormons Cortisol). Gleichzeitig werden das Körperbewusstsein und die Konzentrationsfähigkeit trainiert und gestärkt.

Hinzu kommt der positive Effekt der Bewegung – Muskelkraft, Beweglichkeit, Dehnfähigkeit, Koordination und Gleichgewicht verbessern sich, und man erreicht eine tiefe, bewusste Atmung.

Indirekte Auswirkungen auf Gesundheit, Wohlbefinden und Psyche

Psychosozialer Stress ist inzwischen als relevanter Risikofaktor für die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck oder koronarer Herzerkrankungen anerkannt. Um dem vorzubeugen, kann Yoga auch präventiv sinnvoll sein.

Auch in der Behandlung bereits bestehender Erkrankungen und Symptome wie Reizdarmsyndrom, Multiple Sklerose, Rückenschmerzen, Karpaltunnelsyndrom, Vorhofflimmern, Depression und Angststörung konnte in verschiedenen wissenschaftlich Studien eine positive Wirkung von Yoga nachgewiesen werden. Insbesondere verringerten sich die Symptome der Patienten, und sie fühlten sich insgesamt besser. Welchen Anteil die Faktoren Stressabbau, aktive Entspannung und körperliches Training jeweils an diesen Effekten haben, ist noch nicht sicher geklärt – die Kombination, die Yoga bietet, scheint jedoch besonders wirksam zu sein.

Welche Art von Yoga ist die Richtige?

Es gibt verschiedenste Yoga-Schulen, die sich zudem weiterentwickeln und verändern. Welche Art du wählst, ist im Endeffekt nicht ausschlaggebend. Was zählt ist, sich darauf einzulassen.

Hier eine kleine Übersicht über einige weit verbreitete Yogastile:

  • Hatha-Yoga: Sehr weit verbreiteter Yogastil mit weithin bekannten Asanas (herabschauender Hund, Sonnengruß u. a.). Er verbindet klassischerweise körperliche Positionen (Asanas) mit Tiefenentspannung und Meditation und eignet sich sehr gut für Anfänger, da der Schweregrad langsam gesteigert werden kann und ein Einstieg meist nicht schwierig ist.
  • Iyengar-Yoga: Unterform des Hatha-Yoga. Hier bilden die präzise Ausrichtung des Körpers in der Yogahaltung, das Verweilen in der Übung über einen bestimmten Zeitraum und aufeinander abgestimmte Übungen die Grundlage. Seine Übungen sind gut nachzustellen und vergleichbar. Daher eignet dieser Yogastil sich sehr gut für Studien und wird in der Wissenschaft häufig herangezogen. Auch erleichtern verschiedene Hilfsmittel wie Klötze, Polster etc. die Ausführung der Übungen.
  • Vinyasa Yoga: Hier werden alle Asanas (Positionen) durch einen fließenden, kraftvollen Ablauf miteinander verbunden und mit der Atmung in Einklang gebracht. Die Positionen gehen nahtlos ineinander über.
  • Yin-Yoga: Yogastil mit Fokus auf Entspannung und Atmung, sehr gut geeignet zur Stressreduktion. Die Positionen finden meist im Sitzen oder Liegen statt.
  • Kundalini-Yoga: Diesem Yogastil liegt die Theorie zugrunde, dass am Ende der Wirbelsäule eine Kraftquelle (Kundalini) sitzt. Der Fokus liegt im Becken- und Rückenbereich, die Asanas werden lange gehalten. Auch Atmung und Mantras spielen eine wichtige Rolle, um während der Yogapraxis einen meditativen Zustand zu erreichen.
  • Ashtanga-Yoga: Dynamischer Yogastil mit vielen kraftvollen Bewegungen und somit intensiver körperlicher Komponente. Typischerweise gibt es feste Bewegungsabfolgen.
  • Power-Yoga: Körperlich intensives, dynamisches Yoga ohne festgelegte Bewegungsfolge, auch hier werden Bewegung und Atmung verbunden.

Fazit:

  • Yoga trainiert die Konzentrationsfähigkeit, das Körperbewusstsein, die Kraft und Dehnbarkeit der Muskeln. Durch die konzentrierte Ausführung der Asanas in Verbindung mit der Atmung wird ein meditativer Zustand der aktiven Entspannung erreicht, der zu einem signifikanten Stressabbau führen kann.
  • Wissenschaftliche Studien zeigen eine positive Wirkung auf das Wohlbefinden und Symptome diverser Erkrankungen, wie z. B. Rückenschmerzen, Reizdarmsyndrom, Multiple Sklerose, Karpaltunnelsyndrom, Vorhofflimmern, Depression und Angststörung.
  • Indem es Stress verringert, kann Yoga auch helfen, stressassoziierten Erkrankungen vorzubeugen.

Quellen:

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Dissertation Hermann Traitteur: Wirksamkeit einer Iyengar Yogaintervention bei Patienten mit chronischen Nackenschmerzen – eine randomisierte kontrollierte Studie. Hrsg.: Medizinische Fakultät. Charité – Universitätsmedizin Berlin. 2013 (fu-berlin.de).

Wilfried Huchzermeyer: Das Yoga-Wörterbuch. Sanskrit-Begriffe, Übungsstile, Biographien. edition sawitri, Karlsruhe 2006, ISBN 3-931172-25-2.

https://www.iyengar-yoga-deutschland.de/iyengar-yoga/